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Das Ärztehasserbuch - eine Buchkritik

"Ein Insider packt aus", steht als Subline in blau unter der größeren roten Headline "Das Ärztehasserbuch".

Der Insider ist der Autor Werner Bartens selbst, studierter Mediziner, Germanist und Historiker. Seit 1997 Journalist und Autor, zwischen 1985 und 1996 selbst Teil der Medizin-Maschinerie, die er da in seinem Buch schonungslos offen legt. Seit 2005 Wissenschaftsredakteur der Süddeutschen Zeitung.

(www.werner-bartens.de)

Mit einem kurzen Beipackzettel zur Anwednung des Buch beginnen die 239 Seiten Abrechnung. Bartens fasst die Intention des Buches zusammen ("Dieses Buch soll Ihre Wahrnehmung schärfen und Ihnen die Augen öffnen.", bringt den wahrscheinlich rechtlich wichtigen Satz "Es gibt viele gute Ärzte in diesem Land." unter und zeigt mit einem Augenzwinkern "Dosierung und Anwendung", "Risiken und Nebenwirkungen" seines Nähkästchens auf.

Es folgt eine "Selbstdiagnose", Bartens erklärt, warum er nach der "Verwandlung vom idealistischen Novizen im Medizinstudium zum abgebrühten Assistenzarzt" die Notbremse zieht.

Und dann packt der Insider also aus.

Einem Fallbeispiel folgt das nächste. Bis ungefähr zur Mitte des Buches schockt mich nichts von dem was ich lese wirklich. Unsensible Äußerungen von Ärzten, Panikmache auf der Basis ungenauer Diagnosemöglichkeiten, am Wochenende als Patient im Krankenhaus die Zeit abzuliegen... desöfteren hilflos der Arroganz von Ärzten gegenüber zu stehen, das ist mir nicht wirklich neu.

Interessanter ist da das Unternehmen Klinik / Arztpraxis aus Unternehmersicht. "Arabergestüte" in Kliniken waren mir bspw. auch neu: Eine Steigerung der Klassenteilung "Privatpatient - Kassenpatient" in die zusätzliche Kategorie "Barzahler".

Oder der Einblick in den Werdegang eines Arztes.

Die Art der Fallbeispiele spitzt sich allerdings immer mehr zu. Und spätestens als Bartens von Ober- und Assitenzärzten berichtet, die intern einen Wettkampf starten, wer den schnellsten Kaiserschnitt aufs OP-Parkett legt, bis eine junge Pakistani nach einem Kaiserschnitt innerlich und unbemerkt verblutet (der Zusammenhang sei nicht nachgewiesen, aber wahrscheinlich schreibt Bartens), ist bei mir die Verunsicherung da.

Genährt wird sie weiter durch das Beispiel einer Frau in meinem Alter, die nachdem ihr eine Metastase im Kopf entfernt wurde, bestrahlt wird und vom behandelnden Arzt ein Kortison-Präparat zum Einnehmen in die Hand gedrückt bekommt. Sie stirbt, nachdem sie erfolglos versucht hat den Arzt zu erreichen um die Dosierung zu erfahren, eine Woche später an inneren Blutungen, weil der Arzt ihr kein Säurehemmendes Medikamet dazu gab, das Kortison die Magenwand durchbrach und letztendlich trotz lebensbedrohlicher Symptome nicht ernst genommen wurde.

Als gebranntes Kind, das sich bisher den Optimismus bewahren konnte, ein Einzelfall zu sein, ein "Opfer" der Gesundheitsreformen, übernächtigten und überarbeiteten Ärzten, bleibt nach diesen Beispielen erst einmal nur Angst.


Der Zynismus, mit dem sich der Autor am Ende des Buches an seine ehemaligen Kollegen wendet nimmt mir als Leser jede Hoffnung, dass sich durch dieses Buch etwas verändern könnte und gibt den faden Beigeschmack, dass das Buch in erster Linie eine Abrechnung des Autors mit seiner Zunft ist. Er bedient sich der Sprache seiner ehemaligen Kollegen, die er vorher verurteilt. Rheotorisches Mittel, die "gleiche Sprache" zu sprechen? Oder fehlende Distanz?

Mein Fazit: Von einem Wissenschaftsredakteur der Süddeutschen-Zeitung hätte ich mehr erwartet, als der Beziehung zwischen Arzt und Patient noch das letzte Fünkchen Vertrauen zu entziehen.

Bleibt zu hoffen, dass die in die Ecke gedrängten Ärzte, die nun prüfen müssen, ob der Schuh des Buches passt, nebenbei noch das wenig Konstruktive herauslesen können und es vorallem an sich heran lassen.

 

 

30.7.07 10:11
 


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